Berufsausbildung mit Regelberufsschule

Entsprechend der Richtlinien der Agentur für Arbeit sollen gehörlose Auszubildende vorrangig eine Schule/Ausbildungsstätte für Hörgeschädigte besuchen. (Näheres dazu siehe unter Berufsausbildung.)

Möchte jedoch ein gehörloser Jugendlicher eine betriebliche Ausbildung in einer Firma mit Besuch einer Regelberufsschule (für Hörende) machen, gelten folgende Regelungen:
Für einen Beruf, der nicht an einer Berufsschule für Hörgeschädigte angeboten wird, übernimmt die Agentur für Arbeit die Finanzierung eines Gebärdensprachdolmetschers in einer Regelberufsschule unter folgenden, mit dem Berater vorher abgesprochenen Voraussetzungen:
  • Der gehörlose Jugendliche muss sich für den gewünschten Beruf eignen und es muss die Aussicht auf einen erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung bestehen.
  • Der gehörlose Jugendliche sollte nach seiner Ausbildung in dem erlernten Beruf aller Voraussicht nach eine Stelle auf dem Arbeitsmarkt finden können.
  • Der Ausbildungsbetrieb muss zusammen mit der Regelberufsschule in der Lage sein, die Berufsausbildung für den gehörlosen Jugendlichen erfolgreich durchzuführen.
Für einen Beruf, der auch an einer Berufsschule für Hörgeschädigte angeboten wird, sind die Aufnahme des gehörlosen Jugendlichen in die Regelberufsschule und die Finanzierung eines Gebärdensprachdolmetschers in Einzelfällen möglich. Hierfür muss der Jugendliche einen Antrag beim zuständigen Kostenträger stellen.
Die genauen Zuständigkeiten in diesem Einsatzbereich sind noch nicht geklärt. Aktuell versucht das GIB., genauere Auskünfte über die verschiedenen Kostenträger (z.B. Städte, Kommunen, Bezirke, Regierung, Agentur für Arbeit) zu erhalten.
Die Zuständigkeit des Kostenträgers richtet sich nach dem Familienwohnort. Der Jugendliche muss sich daher immer zuerst an den Berater der Agentur für Arbeit seines Heimatwohnorts wenden und mit diesem die weiteren Schritte klären.

Die Kostenträger können die Aufnahme eines gehörlosen Jugendlichen in die Regelberufsschule nur verweigern, wenn für die Schule ein erheblicher Mehraufwand entsteht. (Art. 21 Abs. 2 BayEUG)

Ablauf

Der genaue Ablauf ist bayernweit unterschiedlich geregelt.

Generell gilt:
  • Der gehörlose Jugendliche bespricht mit seinem Berater bei der Agentur für Arbeit die Berufswegplanung und
  • stellt bei Bedarf einen Antrag auf Kostenübernahme von Dolmetschereinsätzen.
  • Die Agentur für Arbeit überprüft die Möglichkeiten einer Kostenübernahme und
  • bespricht mit dem gehörlosen Jugendlichen das weitere Vorgehen.

Wichtig

Es besteht kein Rechtsanspruch auf den Besuch einer bestimmten Berufsschule. (Art. 44 Abs. 3 BayEUG) Der Besuch einer Berufsschule für Hörgeschädigte kann angeordnet werden, wenn es die Ausbildung erfordert. (Art. 36 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 i.V.m. Art. 42 Abs. 7 BayEUG)