Hochschule / Studium

Der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern für gehörlose Studenten im Rahmen eines Studiums (z. B. Vorlesungen, Seminare) ist eine Hilfe zur schulischen Ausbildung für einen angemessenen Beruf.

(§§ 53 Abs. 1, 54 Abs. 1 Nr. 2 SGB XII i. V. m. § 13 Abs. 1 Nr. 5 und 7 Eingliederungshilfeverordnung)

Die Bayerischen Bezirke übernehmen für behinderte Menschen die behinderungsbedingten Mehrkosten, die beim Besuch einer Hochschule entstehen.

Voraussetzungen

  • Bedürftigkeit:
Da die Hochschulhilfe eine Form der Sozialhilfe ist, haben nach der gegenwärtigen Gesetzeslage gehörlose Studenten nur bei Bedürftigkeit einen Anspruch auf die Finanzierung.

Das bedeutet für den Studenten, dass er bei der Antragstellung seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenlegen muss. Bestimmte Einkommens- und Vermögensgrenzen dürfen für eine Förderung nicht überschritten werden.
Der Student erhält einen Gebärdensprachdolmetscher als Hilfe zur Ausbildung, wenn
  1. zu erwarten ist, dass das Ziel der Ausbildung erreicht wird,
  2. das beabsichtigte Studium für den angestrebten Beruf erforderlich ist,
  3. der zukünftige Beruf voraussichtlich eine ausreichende Lebensgrundlage bietet.
  • Der gehörlose Student
  1. muss eine schriftliche Zusage der Hochschule über einen Studienplatz nachweisen,
  2. darf noch keine abgeschlossene Berufsausbildung haben,
  3. muss über 18 Jahre alt sein.
Ausnahmen sind in Einzelfällen möglich. (Weitere Informationen beim jeweils zuständigen Bezirk oder bei der Beratungsstelle für Hörgeschädigte Studierende in München.)

Ablauf

Es kann bei den verschiedenen Bayerischen Bezirken zu Abweichungen im Ablauf des Antragsverfahrens kommen. Gehörlose Studenten sollten sich deshalb immer rechtzeitig vorher an ihren Ansprechpartner beim zuständigen Bezirk wenden (Kontaktadressen siehe LINKS).
Der allgemeine Ablauf des Antragsverfahrens sieht normalerweise wie folgt aus:
  • Der Student stellt einen Antrag auf Hochschulhilfe (Eingliederungshilfe) beim jeweils zuständigen Bezirk. Hierfür sind verschiedene Nachweise (z. B. Zeugnisse oder Schwerbehindertenausweis) erforderlich. Genauere Informationen erhalten Studenten beim jeweiligen Bezirk (Bsp.: Erfassungsbogen des Bezirks Oberbayern, siehe LINK).
  • Weiterhin gibt der Student seine persönlichen Gründe für die Aufnahme des Studiums an.
  • Der Student stellt seinen Stundenplan mit der genauen Anzahl an notwendigen Dolmetscherstunden zusammen und reicht den Stundenplan mit der Bitte um Kostenübernahme für die Gebärdensprachdolmetscher ein, gegebenenfalls mit einem Kostenvoranschlag eines Dolmetschers. Der Bezirk stellt den Bewilligungsbescheid nach Eingang und Prüfung aller Unterlagen zum Studienbeginn aus.
  • Der Student sucht entweder selbst geeignete Gebärdensprachdolmetscher oder bekommt sie über die zuständige Vermittlungsstelle im Auftrag des Bezirks zugeteilt.
  • Der/Die Dolmetscher stellt/stellen ihre Rechnung direkt an den zuständigen Bezirk.

Kostenträger

Kostenträger sind die Bezirke als überörtliche Träger der Sozialhilfe (Art. 82 AGSG).

Höhe der Kostenübernahme

Die Höhe der Vergütung erfolgt nach den Richtlinien der jeweils zuständigen Bezirke und ist dort zu erfragen (siehe LINKS).

Wichtig

Falls der Stundenplan wegen des noch fehlenden Vorlesungsverzeichnisses nicht genau erstellt werden kann, muss der Student dies beim Bezirk melden und den Bedarf mit einer ungefähren Stundenangabe beantragen.

Der formale Bescheid mit der Höhe der Kostenübernahme erfolgt nach der vollständigen Einreichung aller Unterlagen.